Wie lang sollte ein Lebenslauf sein? Die Regel nach Berufsjahren
Wie viele Seiten darf ein Lebenslauf haben? Meist ein bis zwei DIN-A4-Seiten. So entscheiden Sie nach Erfahrung und Stelle und kürzen, ohne Belege zu verlieren.
Ein Lebenslauf umfasst in Deutschland meist ein bis zwei DIN-A4-Seiten. Berufseinsteiger kommen oft mit einer aus, Fachkräfte mit Erfahrung brauchen häufig zwei, und bei sehr langen Laufbahnen oder Wissenschaft können es mehr sein. Eine verbindliche Vorschrift gibt es nicht, die Zahlen stammen aus Ratgebern und Hochschulhinweisen. Faustregeln wie "eine Seite pro zehn Jahre" helfen zur Orientierung, entscheiden aber nicht. Wichtig ist, ob jede Seite für diese Bewerbung etwas beiträgt. Hier lesen Sie, wie Sie das prüfen.
Was typischerweise passt
- Schüler, Studierende, Ausbildungsplatzsuchende: eine Seite reicht meist.
- Absolventen: oft eine, höchstens zwei Seiten, wenn Praktika und Projekte das tragen.
- Fachkräfte mit einigen Jahren Erfahrung: ein bis zwei Seiten.
- Lange Laufbahn, Führungskräfte: zwei Seiten, in Ausnahmefällen drei. Ältere Stationen fallen kürzer aus.
- Wissenschaft: häufig deutlich länger, weil Publikationen und Vorträge dazugehören.
- Öffentlicher Dienst: Maßgeblich sind die Vorgaben der Ausschreibung.
Der Test für Seite zwei
- Sieht man auf Seite eins bereits Zielposition, aktuelle Stelle und wichtigste Kenntnisse?
- Enthält Seite zwei etwas, das die Entscheidung beeinflussen kann?
- Passt mindestens die Hälfte davon zur Anzeige?
- Fehlt ohne sie ein Beleg, oder nur Vergangenheit?
Rutschen nur ein paar Zeilen auf die zweite Seite, kürzen Sie oder nutzen Sie die Seite richtig. Eine fast leere Seite wirkt wie ein Versehen. Mehr zur kompakten Fassung lesen Sie im Ratgeber zum Lebenslauf auf einer Seite.
Warum in Deutschland zwei Seiten oft genügen
Der Lebenslauf ist in der Regel nur ein Teil der Bewerbung. Anschreiben, Zeugnisse und Nachweise stehen daneben. Lange Aufgabenlisten müssen also nicht alles abdecken. Prüfen Sie im Lebenslauf vor allem die Zeiträume, die Bezeichnungen und die Stichpunkte zur Stelle. Tiefe zählt mehr als Vollständigkeit, doch die Zeitachse sollte durchgehend bleiben. Streichen Sie deshalb nicht einfach eine Station, sondern verkürzen Sie sie.
Im Ausland gilt anderes
- USA und Kanada: anfangs eher eine Seite, mit Erfahrung bis zwei.
- Großbritannien und Irland: zwei Seiten sind für Erfahrene gängig.
- Frankreich: eher knapp, oft eine Seite in frühen Karrierephasen.
- Schweiz und Österreich: ähnlich wie in Deutschland.
- Japan: der Shokumu Keirekisho hat meist etwa zwei A4-Seiten, dazu kommt das Formular Rirekisho.
Das sind Tendenzen, keine Gesetze. Siehe auch die Lebenslauf-Standards nach Land.
Was Sie zuerst kürzen
- Ältere Stationen ohne Bezug: auf Position, Arbeitgeber und Zeitraum reduzieren.
- Aufgaben, die jeder in diesem Beruf hat.
- "Referenzen auf Anfrage". Das versteht sich von selbst.
- Doppelte Kenntnisse in mehreren Abschnitten.
- Hobbys ohne Aussagekraft.
- Ein Kurzprofil voller Eigenschaften.
Nicht kürzen sollten Sie Kontaktdaten, Monats- und Jahresangaben sowie Angaben, die Ihre Leistung belegen.
Vorher und nachher
Oft schrumpft die Länge schon durch bessere Sätze. Ein erfundenes Beispiel:
Vorher: Ich war dafür verantwortlich, die monatlichen Vertriebsberichte für die Geschäftsleitung zu erstellen und die Richtigkeit aller Zahlen sicherzustellen.
Nachher: Monatliche Vertriebsberichte für sechs Führungskräfte erstellt und mit dem CRM abgeglichen.
Die zweite Fassung ist kürzer und genauer. Wenn Sie das bei allen Stationen tun, sparen Sie oft viel Platz, ohne eine Tatsache zu verlieren.
Diese Tricks schaden
- Sehr kleine Schrift, denn unter 10 bis 11 Punkt leidet die Lesbarkeit.
- Fast keine Ränder.
- Zwei schmale Spalten nur für mehr Text, die manche Bewerbungssoftware durcheinanderbringen können.
- Text in Bilder oder Tabellen verschieben.
Die zweite Seite ordnen
Steht auf Seite zwei nur noch ein kleiner Rest, wirkt das wie ein Versehen. Kürzen Sie dann auf eine Seite, oder füllen Sie die zweite mit Belegen, die zur Stelle passen. Name und Seitenzahl in der Fußzeile helfen, falls jemand den Lebenslauf ausdruckt.
Sonderfall: Projektliste und Anlagen
In der IT, im Ingenieurwesen oder bei Selbstständigen wächst die Liste der Projekte schnell. Halten Sie den Lebenslauf dann bei zwei Seiten und fügen Sie eine gesonderte Projektliste an, wenn die Stelle danach verlangt. Die Liste nennt Zeitraum, Branche, Ihre Rolle und die eingesetzten Werkzeuge, doch Kundennamen nur, wenn Sie sie nennen dürfen. Auch Zertifikate müssen nicht alle einzeln im Lebenslauf stehen: Nennen Sie die wichtigen, der Rest gehört in die Anlagen. Achten Sie im Onlineformular auf die Grenze für die Dateigröße.
Prüfen Sie außerdem die Seitenumbrüche im fertigen PDF.
Sonderfall: wenig Erfahrung
Füllen Sie eine zweite Seite nicht künstlich. Eine klare Seite wirkt besser. Wie Sie sie füllen, zeigt der Ratgeber zum Lebenslauf ohne Berufserfahrung.
Zum Schluss
Schreiben Sie, was diese Bewerbung stützt, und hören Sie dann auf. Eine gute Seite oder zwei gute Seiten sind besser als drei durchschnittliche. Fragen Sie vor dem Absenden: Welche Zeile würde eine Personalerin überspringen? Diese können Sie streichen.
Ein vollständiges Beispiel: von drei auf zwei Seiten
Ein erfundener Projektleiter im Bau hat 14 Jahre Erfahrung auf drei Seiten. Diese Kürzungen dauerten rund 40 Minuten:
- Berufsziel und eine Kenntnisliste gestrichen, die die Stationen wiederholte. 12 Zeilen gespart.
- Die ältesten zwei Stellen auf Position, Arbeitgeber und Zeitraum gekürzt. 15 Zeilen gespart.
- Vier Aufgabenpunkte der letzten Stelle zu zwei Ergebnissen zusammengefasst. 5 Zeilen gespart.
- Liste mit 22 Kurzlehrgängen auf die 3 reduziert, die die Anzeige nennt. Der Rest bleibt in den Anlagen. 10 Zeilen gespart.
- Hobbys und den Satz Referenzen auf Anfrage entfernt. 6 Zeilen gespart.
Nichts Wichtiges ging verloren, und die Belege für die Zielstelle stehen jetzt auf Seite eins. Streichen Sie in dieser Reihenfolge: zuerst Wiederholungen, dann alte Details, und erst dann echte Erfolge.
Sinnvolle Einstellungen für Schrift und Ränder
- Fließtext: etwa 10 bis 12 Punkt, je nach Schrift.
- Ränder: rund 2 cm sind üblich. Darunter leiden Druck und Lesbarkeit.
- Zeilenabstand: 1,0 bis 1,15, dazu ein kleiner Abstand zwischen den Abschnitten.
- Überschriften: etwas größer oder fett, nicht beides in mehreren Farben.
- Stichpunkte: ein bis zwei Zeilen. Drei Zeilen verbergen meist zwei Gedanken.
Mehr dazu unter Schriftarten im Lebenslauf. Müssen Sie unter diese Werte, ist schlicht zu viel Text da.
Wann längere Unterlagen richtig sind
- Wissenschaft: Publikationen, Lehre und Drittmittel brauchen oft viele Seiten. Siehe akademischer Lebenslauf.
- Medizin und Pflege: Weiterbildung, Stationen und Eingriffe können mehr Platz brauchen.
- IT und Beratung: Eine Projektliste kann hinter zwei Seiten Lebenslauf stehen. Siehe Projekte im Lebenslauf.
- Öffentlicher Dienst: Es zählt, was die Ausschreibung verlangt, und Nachweise kommen oft dazu.
- Vorgegebene Formulare: Das Formular entscheidet.
Zeugnisse zählen nicht mit
Eine deutsche Besonderheit: Der Lebenslauf ist nur ein Teil der Unterlagen. Anschreiben, Arbeitszeugnisse und Abschlüsse kommen hinzu und werden nicht zur Lebenslaufseite gerechnet. Das spricht für einen kurzen Lebenslauf, denn Einzelheiten stehen schon im Zeugnis. Lange Kurslisten und Tätigkeitsbeschreibungen dürfen Sie deshalb kürzen. Prüfen Sie die Gesamtgröße der Datei, denn viele Portale begrenzen sie, und gescannte Zeugnisse werden schnell groß.
Was mit Seite zwei passiert
Wer Seite eins überzeugend findet, liest meist weiter. Wer unsicher ist, tut es selten. Seite zwei soll eine Entscheidung stützen, nicht erstmals begründen. Trennen Sie keine Station über den Seitenumbruch und setzen Sie Ihren Namen klein in die Fußzeile, falls gedruckt wird. Beginnt Ihre stärkste Stelle erst auf Seite zwei, kürzen Sie darüber.
Länge am Handy und im Portal
Im Portal zählt die Seitenzahl weniger, weil oft zuerst die ausgelesenen Felder erscheinen. Auf dem Handy zählt der erste Bildschirm. Öffnen Sie Ihr PDF auf dem eigenen Telefon und sehen Sie nach, was ohne Scrollen erscheint. Sind es nur Anschrift und ein allgemeines Profil, ändern Sie die Reihenfolge.
Wenn zu wenig für eine Seite da ist
Eine halb leere Seite ist beim Berufsstart in Ordnung, strecken Sie sie nicht mit großer Schrift. Ergänzen Sie, was wahr und nützlich ist: Praktika, Nebenjobs, Engagement und passende Kurse. Der Ratgeber Lebenslauf ohne Erfahrung zeigt ein Muster.
Platz nach Berufsjahren
| Laufbahn | Umfang | Aufteilung |
|---|---|---|
| 3 Jahre | 1 Seite | Aktuelle Stelle nimmt die Hälfte ein |
| 12 Jahre | 2 Seiten | Letzte 2 Stationen ausführlich, ältere je 2 Zeilen |
| 25 Jahre | 2 Seiten | Letzte 10 Jahre im Detail, frühere Jahre als Kurzliste |
Diese Aufteilung ist eine Hilfe, keine Vorschrift. In Technik und Beratung kann eine Projektliste als Anlage sinnvoll sein. Sie bleibt dann außerhalb des Lebenslaufs und wird nur mitgeschickt, wenn sie gefragt oder für die Stelle wirklich hilfreich ist.
Analysieren Sie Ihren Lebenslauf mit CV Analyz: Sie erhalten eine Bewertung von 100 Punkten und eine klare Liste der wichtigsten Probleme, einschließlich Leseproblemen und fehlender Belege.
Lebenslauf kostenlos prüfenHäufige Fragen
Wie lang sollte ein Lebenslauf sein?
Meist ein bis zwei DIN-A4-Seiten. In der Wissenschaft und bei sehr langen Laufbahnen kann er länger sein.
Sind zwei Seiten Lebenslauf in Ordnung?
Ja, das ist bei Berufserfahrung üblich. Seite zwei sollte aber etwas Nützliches enthalten.
Sind drei Seiten zu viel?
Für die meisten Bewerbungen ja. Bei langer Laufbahn, Führungsaufgaben oder in der Wissenschaft kann es vertretbar sein.
Was kann ich streichen?
Ältere Stationen ohne Bezug verkürzen, allgemeine Aufgaben, doppelte Kenntnisse und Sätze wie "Referenzen auf Anfrage".