Wie weit zurück sollte der Lebenslauf gehen? Lückenlos bleiben, alte Stationen kürzen
Lückenlos heißt nicht ausführlich. Die letzten 10 bis 15 Jahre im Detail, Älteres knapp mit Zeitraum. Wann Sie streichen dürfen.
In Deutschland beschreiben Sie meist die letzten 10 bis 15 Jahre ausführlich und fassen Älteres knapp zusammen, aber mit Zeitraum. Der tabellarische Lebenslauf gilt als lückenlos, und lückenlos heißt nicht ausführlich. Die US-Empfehlung, alles vor 15 Jahren zu streichen, lässt sich deshalb nicht einfach übernehmen. Passt eine alte Station genau zur Zielstelle, darf sie mehr Platz bekommen. Verlangt ein Formular oder eine Behörde den vollständigen Werdegang, geben Sie ihn vollständig an.
Warum US-Tipps hier oft nicht passen
Fast alle Ratgeber, auch deutschsprachige Seiten von Lebenslauf-Anbietern, wiederholen die 10-bis-15-Jahre-Regel. Manche empfehlen sogar, ältere Stellen zu entfernen, und sprechen vom Lebenslauf als Marketingdokument. Das Thema Arbeitszeugnisse kommt dort gar nicht vor, und auch nicht die duale Berufsausbildung. Beides zählt in Deutschland:
- Liegt ein Zeugnis bei, muss die Station im Lebenslauf auftauchen.
- Eine Berufsausbildung bleibt meist auch nach 25 Jahren drin, denn sie ist oft die Grundlage für die Qualifikation.
- Fehlen Jahre, wird oft nachgefragt. Deutschsprachige Ratgeber nennen Lücken ab rund zwei Monaten als sichtbar.
Die Regel selbst beruht auf Gewohnheit. Für den Satz, dass genau 15 Jahre die richtige Grenze sind, haben wir keine Studie gefunden. Die Ratgeber nennen unterschiedliche Grenzen, manche 20 Jahre als Streichkandidaten, andere 10 bis 15. Nehmen Sie solche Zahlen also als Anhaltspunkt.
Vier Fragen an jede alte Station
- Belegt sie etwas, das die Anzeige verlangt und neuere Stationen nicht zeigen? Dann bleibt sie drin.
- Bringt sie etwas Neues oder wiederholt sie die nächste Stelle? Wenn sie wiederholt, kürzen.
- Entstünde ohne sie eine Lücke mitten im Werdegang? Dann mindestens eine Zeile.
- Können Sie im Gespräch gut darüber reden? Wenn nicht, reicht eine Zeile.
Kürzen Sie immer vom ältesten Ende her, nicht aus der Mitte. Und wer den Werdegang erst 2011 beginnen lässt, sollte wenigstens in einer Sammelzeile zeigen, dass vorher gearbeitet wurde.
Vorher und nachher
Erfundenes Beispiel: ein Einkaufsleiter mit 22 Jahren Berufserfahrung bewirbt sich in der Pharmabranche.
Vorher: sieben Stationen mit gleich vielen Stichpunkten auf vier Seiten, darunter Außendienst 2003 und Lagerverwaltung 2005.
Nachher: drei ausführliche Stationen seit 2012, dann Pharma-Einkauf 2008 bis 2011 in zwei Zeilen, weil die Anzeige die Branche nennt, und zuletzt: 09/2003 bis 12/2007, frühere Stationen im Außendienst und in der Lagerverwaltung, Großhandel.
Das ergibt zwei Seiten, und es fehlt kein Zeitraum. Mehr dazu im Beitrag zur Länge des Lebenslaufs.
Wie viele Stationen?
Eine richtige Zahl gibt es nicht. Ein verbreiteter Ratschlag nennt 3 bis 7 Stellen, mit Details nur bei den letzten zwei bis drei. Das ist eine Meinung und keine Regel. Wer häufig gewechselt hat, bündelt Gleichartiges, sofern es stimmt.
So sieht die Sammelzeile aus
01/2003 bis 12/2007 Frühere Tätigkeiten: Außendienst, danach Lagerverwaltung bei Pharmagroßhändlern in Hamburg (Zeugnisse auf Anfrage).
Schreiben Sie auf Anfrage nur, wenn die Zeugnisse wirklich vorliegen. Kurze Jobs von wenigen Monaten, alte Praktika und Schulpraktika dürfen nach langer Berufserfahrung meist entfallen, sofern keine Lücke entsteht.
Wann Sie alles angeben müssen
- Öffentlicher Dienst und Wissenschaft: Hier wird oft ein vollständiger Werdegang erwartet.
- Sicherheitsüberprüfung und Personalbogen: Beantworten Sie, was gefragt wird. Formulare sind etwas anderes als ein Lebenslauf.
- Reglementierte Berufe und Anerkennungsverfahren: Dort können alle Nachweise verlangt werden. Fragen Sie bei der zuständigen Stelle.
- Rückkehr in ein altes Berufsfeld: Die alte Station kann der wichtigste Beleg sein. Ein Blick auf die Arten von Lebensläufen hilft.
Und das Alter?
Oft heißt es, Kürzen schütze vor Altersdiskriminierung. Beweise dafür fehlen in den Quellen, die wir gelesen haben. Wer 15 Jahre Führungserfahrung liest, kann das Alter ohnehin schätzen. Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz verbietet Benachteiligung wegen des Alters, aber im Einzelfall ist das schwer nachzuweisen. Das Geburtsdatum ist kein Pflichtfeld. Das Abschlussjahr bleibt in Deutschland meist stehen, weil die Chronologie sonst unvollständig wirkt. Kürzen Sie, weil die Bewerbung dadurch besser wird, nicht als Tarnung. Mehr im Beitrag zum Lebenslauf ab 50.
Eine vollständige Masterdatei
Führen Sie privat eine Datei mit allen Stationen, Monaten, Kennzahlen und Zeugnissen. Daraus bauen Sie jeden gekürzten Lebenslauf. So müssen Sie alte Daten nicht aus dem Gedächtnis rekonstruieren, falls ein Personalbogen oder eine Behörde danach fragt. Bewahren Sie auch alte Zeugnisse digital auf. Firmen schließen oder ändern ihren Namen, und Ersatz ist dann schwer zu bekommen.
Was CV Analyz macht
Das System behält beim Überarbeiten dieselben Informationen, gibt älteren oder kleineren Stationen weniger Stichpunkte und verschiebt keine Daten. Es entscheidet nicht für Sie, eine Stelle zu streichen. Fassen Sie alte Stationen also schon vor der Eingabe so zusammen, wie Sie es möchten.
Verbessern Sie Ihren Lebenslauf mit CV Analyz: Aus Aufgaben werden klare Ergebnisse für Ihre Zielstelle und Ihr Zielland, nur aus den Angaben, die Sie machen.
Lebenslauf jetzt verbessernHäufige Fragen
Wie viele Jahre zurück sollte ein Lebenslauf gehen?
Meist 10 bis 15 Jahre ausführlich, Älteres knapp mit Zeitraum. Das ist eine Gewohnheit und keine feste Regel.
Muss ich in Deutschland jede Stelle im Lebenslauf angeben?
Der Werdegang sollte lückenlos wirken. Frühe und kurze Stationen dürfen knapp zusammengefasst werden, Formulare beantworten Sie wie gefragt.
Soll ich das Abschlussjahr aus dem Lebenslauf streichen?
In Deutschland bleibt es meist stehen. Der Abschluss selbst gehört immer hinein.
Muss die Berufsausbildung nach vielen Jahren noch drinstehen?
Meist ja, kurz und mit Abschluss, weil sie Ihre Qualifikation erklärt.