Berufsziel im Lebenslauf: Wann es hilft, wann das Kurzprofil besser ist und wie Sie es formulieren
Das Berufsziel nennt die Zielstelle und einen belegbaren Grund. Wann es Einsteigern und Wechslern hilft, was es vom Kurzprofil und vom Anschreiben trennt.
Ein Berufsziel im Lebenslauf ist optional. Sinnvoll ist es, wenn Ihr bisheriger Weg nicht von selbst zeigt, wohin Sie wollen, etwa beim Berufseinstieg, Quereinstieg oder Wiedereinstieg. Es nennt in ein bis zwei Sätzen die Zielstelle und einen belegbaren Grund, warum Sie dafür infrage kommen. Wer im selben Feld weiterarbeitet, fährt mit einem Kurzprofil oder ganz ohne Einleitung meist besser. Und wenn das Anschreiben diese Aufgabe schon übernimmt, sollten Sie nichts doppelt sagen.
Was Ratgeber behaupten und was belegt ist
In deutschen Ratgebern finden Sie klare Grenzen: Berufsziel unter zwei Jahren Erfahrung, Kurzprofil ab drei, höchstens 50 Wörter. Eine Studie dahinter nennt keiner der Texte, die wir gelesen haben. Die Angaben zur Länge widersprechen sich auch: Karrierebibel nennt für das Kurzprofil drei bis fünf Sätze, karriere.at drei bis sechs. Auch bei der Form herrscht keine Einigkeit, die einen raten zur Ich-Form, andere zu Stichpunkten. Es sind Erfahrungswerte. Sie können Ihnen helfen, aber Vorschriften sind sie nicht.
Pflicht ist keine dieser Einleitungen. Viele klassische tabellarische Lebensläufe kommen ohne aus, und das ist in Deutschland weiterhin völlig normal.
Berufsziel, Kurzprofil und Anschreiben: drei verschiedene Aufgaben
- Berufsziel: sagt, welche Stelle Sie anstreben und was Ihren Wunsch glaubwürdig macht. Es lohnt sich, wenn der Lebenslauf diese Frage offen lässt.
- Kurzprofil: fasst zusammen, was Sie bereits können und erreicht haben. Mehr dazu im Beitrag zum Profil im Lebenslauf.
- Anschreiben: erklärt ausführlicher, warum genau diese Stelle und dieses Unternehmen. Falls Sie eines beilegen, muss der Lebenslauf das nicht wiederholen.
Wenn eine Stelle ausdrücklich kein Anschreiben verlangt, gewinnt die Einleitung an Bedeutung, denn sie ist dann die einzige Stelle, an der Sie Ihren Wechsel in eigenen Worten erklären. Zwei Sätze reichen dafür meist aus.
So entscheiden Sie
- Passt Ihre letzte Berufsbezeichnung zur Zielstelle? Dann brauchen Sie kein Berufsziel.
- Würde sich jemand beim Lesen fragen, warum Sie sich gerade hierauf bewerben? Dann hilft ein Satz der Erklärung.
- Können Sie Ihr Ziel mit einem Praktikum, einem Projekt, einer Weiterbildung oder einer Tätigkeit belegen? Ohne Beleg bleibt es ein Wunsch.
Eine Formel, die fast immer funktioniert
[Aktuelle Situation] mit [einem konkreten, überprüfbaren Beleg], Ziel: [Stellenbezeichnung aus der Anzeige].
Übernehmen Sie die Bezeichnung möglichst aus der Anzeige, sofern sie wirklich auf Sie passt. Und streichen Sie Wörter wie teamfähig, dynamisch oder belastbar, solange im Rest des Lebenslaufs nichts dafür spricht.
Vorher und nachher
Erfundenes Beispiel einer Filialleiterin, die ins Recruiting wechseln will:
Vorher: Engagierte und flexible Mitarbeiterin sucht neue Herausforderung in einem dynamischen Unternehmen, in dem sie sich weiterentwickeln kann.
Nachher: Filialleiterin, die seit drei Jahren Bewerbungsgespräche führt und Aushilfen einstellt. Ziel: Einstieg als Recruiterin im Handel.
Die zweite Fassung lässt alles weg, was jede Person schreiben könnte. Stattdessen stellt sie eine Brücke zwischen alter und neuer Tätigkeit her, über die im Gespräch gesprochen werden kann.
Beispiele
Alle Beispiele sind erfunden. Ersetzen Sie alle Angaben durch solche, die auf Sie zutreffen.
Berufseinstieg
- Bachelor Betriebswirtschaft mit Praxissemester im Controlling. Ziel: Einstieg als Junior Controller.
- Ausgelernter Elektroniker für Gebäudetechnik. Ziel: Servicetechniker im Kundendienst.
- Studentin der Wirtschaftsinformatik im 4. Semester, zwei Projekte mit SQL. Ziel: Werkstudentenstelle im Datenteam. Weitere Hinweise im Lebenslauf für Praktikum und Studium.
Wenn noch kaum Praxis vorhanden ist, kommt es auf die übrigen Abschnitte an. Dazu passt der Beitrag zum Lebenslauf ohne Berufserfahrung.
Quereinstieg
- Gymnasiallehrer, seit 8 Jahren in der Unterrichtsplanung tätig, Weiterbildung in E-Learning. Ziel: Instructional Designer.
- Maschinenbauingenieur, der Wartungsberichte mit Python auswertet. Ziel: Junior Data Analyst.
- Zeitsoldat mit Erfahrung in der Logistik. Ziel: Disponent in einem Speditionsunternehmen.
Wiedereinstieg
- Projektkoordinatorin nach Elternzeit, aktuell mit Scrum-Zertifikat. Ziel: Teilzeitstelle im Projektbüro.
- Bürokauffrau nach einer Familienphase, aktuelle DATEV-Weiterbildung. Ziel: Buchhaltungsassistenz.
Ein Grund für die Pause muss hier nicht stehen. Elternzeit dürfen Sie nennen, müssen es aber nicht. Eine knappe Angabe im tabellarischen Verlauf reicht völlig aus.
Platz und Überschrift
Setzen Sie den Text direkt unter die Kontaktdaten. Als Überschrift genügt Profil oder Berufsziel. Bei Bewerbungsformularen im öffentlichen Dienst oder bei standardisierten Portalen ist oft gar kein Platz dafür vorgesehen. Dann nutzen Sie das, was das Formular anbietet, und überspringen den Rest. In Österreich und der Schweiz sind die Begriffe teils anders, das Prinzip bleibt gleich: Der Text soll einem Leser nützen und nichts wiederholen.
Häufige Fehler
- Dieselbe Formulierung für jede Bewerbung, im schlimmsten Fall mit falschem Firmennamen.
- Ein Ziel, das nicht zur Anzeige passt. So eine Einleitung schadet mehr, als sie nützt.
- Gehaltswünsche oder private Umstände an dieser Stelle.
- Fachkenntnisse behaupten, die sich im Lebenslauf nirgends wiederfinden.
- Berufsziel und Kurzprofil, die untereinander dasselbe sagen.
Was CV Analyz macht
Beim Erstellen schreibt CV Analyz eine kurze Einleitung, die auf Ihre Zielstelle ausgerichtet ist. Dabei verwendet das System nur Ihre Angaben und erfindet weder Erfahrung noch Zahlen. Eine eigene Option Berufsziel gibt es nicht, diese Einleitung übernimmt die Aufgabe. Je genauer Sie Praktika, Projekte und Weiterbildungen eingeben, desto brauchbarer wird der Text. Anschließend können Sie ihn kürzen, wenn eine knappe Zeile besser zu Ihnen passt.
Kurz gesagt: Behalten Sie das Berufsziel, wenn es Ihre Richtung erklärt und ein echter Beleg dahintersteht. Sagt es nur, was im Lebenslauf ohnehin steht, kann es weg.
Erstellen Sie Ihren Lebenslauf mit CV Analyz: Beantworten Sie ein paar einfache Fragen, ganz ohne alte Datei, und erhalten Sie einen klaren Lebenslauf für Zielstelle und Zielland, nur aus Ihren Angaben.
Jetzt kostenlos Lebenslauf erstellenHäufige Fragen
Brauche ich ein Berufsziel im Lebenslauf?
Nein. Es hilft vor allem Einsteigern, Quereinsteigern und Wiedereinsteigern, wenn der bisherige Weg die Zielstelle nicht von selbst erklärt.
Was ist der Unterschied zum Kurzprofil?
Das Berufsziel verbindet einen Wunsch mit einem Beleg. Das Kurzprofil fasst zusammen, was Sie im Beruf bereits können und erreicht haben.
Wie lang darf das Berufsziel sein?
Ein bis zwei Sätze reichen meist. Ratgeber nennen unterschiedliche Wortzahlen, belegt ist keine davon.
Wo steht es im Lebenslauf?
Direkt unter den Kontaktdaten, vor Berufserfahrung und Ausbildung.