Akademischer Lebenslauf für Promotion und Forschungsstellen: Publikationen, Drittmittel und Lehre, Abschnitt für Abschnitt

29. Oktober 20263 Min. Lesezeit

Akademischer Lebenslauf für Promotionsbewerbung, Postdoc, Juniorprofessur und Forschungsstellen: vollständiger Aufbau, Publikationsliste, Drittmittel, Lehre und akademische Selbstverwaltung, Muster-Forschungsprofil, Länderunterschiede und was nie gekürzt wird.

Der akademische Lebenslauf ist der einzige, bei dem «maximal zwei Seiten» falsch ist. Berufungskommissionen und Auswahlgremien erwarten eine vollständige Dokumentation: jede Publikation, jedes Drittmittelprojekt, jede Lehrveranstaltung, jeder Vortrag. Die Kunst liegt nicht im Kürzen, sondern im Ordnen: Die Abschnitte, die für diese Stelle zählen, kommen zuerst, und jeder Eintrag ist so formatiert, dass er in Sekunden überprüfbar ist. Diese Anleitung gibt den vollständigen Aufbau und die Konventionen, die sich zwischen Ländern unterscheiden.

Aufbau des akademischen Lebenslaufs

  1. Kopf: Name, Institution und Institut, E-Mail, ORCID, Google Scholar oder ResearchGate.
  2. Forschungsprofil: 4–6 Zeilen zu Fachgebiet, Fragestellungen, Methoden und der Richtung der nächsten Arbeiten.
  3. Ausbildung: Abschlüsse mit Institution, Jahr, Titel der Arbeit und Betreuung; bei Promotionsbewerbung Noten und Thema der Abschlussarbeit.
  4. Akademischer Werdegang: wissenschaftliche Stellen, aktuellste zuerst; in Deutschland mit Befristung und Stellenumfang.
  5. Publikationen: gruppiert (begutachtete Artikel, Bücher und Buchbeiträge, Konferenzbeiträge, Preprints, eingereicht), nummeriert, vollständige Zitation, eigener Name fett, Erst- und Korrespondenzautorschaft markiert.
  6. Drittmittel und Preise: Förderer, Titel, Summe, Rolle (PI, Co-PI, Mitantragsteller), Laufzeit.
  7. Lehre: Veranstaltungen mit Niveau, Rolle, Teilnehmerzahl, Betreuung von Abschlussarbeiten.
  8. Vorträge und eingeladene Vorträge.
  9. Akademische Selbstverwaltung und Gutachtertätigkeit: Journals, Förderorganisationen, Gremien, Herausgeberschaften, Wissenschaftskommunikation.
  10. Kenntnisse: Methoden, Software, Sprachen, Labortechniken, Datensätze.
  11. Referenzen: meist drei, mit vollständigen Kontaktdaten, am Ende.

Muster-Forschungsprofil

Computational Biologist (Promotion 2023) mit Schwerpunkt Einzelzell-Transkriptomik des alternden Immunsystems. Autorin von 9 begutachteten Artikeln (4 als Erstautorin, darunter Nature Immunology 2025), Entwicklerin eines Open-Source-Tools zur Zelltyp-Annotation mit 1.200 GitHub-Sternen und Mitantragstellerin eines DFG-Projekts (240.000 €). Ich lehre Statistik für Lebenswissenschaften (120 Studierende) und betreue zwei Masterarbeiten. Meine nächsten Arbeiten erweitern den Alterungsatlas auf Längsschnittkohorten.

Publikationsliste richtig führen

  • Einen Zitierstil konsequent verwenden (APA, Vancouver oder die Norm des Fachs) und DOIs angeben.
  • Eigenen Namen fett setzen; geteilte Erstautorschaft und Korrespondenzautorschaft markieren.
  • Begutachtete Arbeiten von Preprints und eingereichten Manuskripten trennen; nie mit «in Vorbereitung» auffüllen, außer die Ausschreibung lässt es ausdrücklich zu.
  • Metriken (Zitationen, h-Index, Impact Factor) sind optional und fachabhängig; wo angegeben, Quelle und Datum nennen.
  • Promotionsbewerber ohne Publikationen führen stattdessen Abschlussarbeit, Poster und Ergebnisse aus Hilfskraftstellen auf.

Drittmittel, Lehre und Selbstverwaltung mit Zahlen

  • Drittmittel: Förderer, Programm, Summe, Rolle, Laufzeit und Gegenstand («Mitantragstellerin, DFG-Sachbeihilfe, 240.000 €, 2024–2027»); Gesamtsumme eingeworbener Mittel als eigene Zeile.
  • Lehre: Veranstaltung, Niveau, Rolle, Teilnehmerzahl, SWS und Evaluationsergebnis mit Skala.
  • Betreuung: Anzahl Studierender je Stufe und Abschlüsse.
  • Selbstverwaltung: begutachtete Journals (Anzahl pro Jahr), Gremien, Tagungsorganisation mit Teilnehmerzahl.

Länderunterschiede

Deutschland: Lebenslauf und Publikationsliste häufig als getrennte Dateien; Habilitationsstatus beziehungsweise habilitationsäquivalente Leistungen, Drittmittelsumme und Lehrerfahrung in SWS gehören hinein, ebenso bei Berufungen das Lehrkonzept als Anlage. Österreich: ähnlich, mit Habilitation (venia docendi). Schweiz: SNF-Förderungen und Lehre auf Deutsch, Französisch oder Englisch angeben. Großbritannien und Irland: vollständiger akademischer Lebenslauf ohne Längenbegrenzung, Referenzen am Ende, REF-relevante Outputs für Lectureships prominent. USA: beliebige Länge, Research Statement und Teaching Statement als separate Dokumente. Golfstaaten: Scopus-indexierte Arbeiten und Lehrdeputat explizit.

Was nie gekürzt wird, und was wegbleibt

  • Bleibt: jede begutachtete Publikation, jedes Drittmittelprojekt, jede Lehrveranstaltung, jede betreute Arbeit, jeder eingeladene Vortrag.
  • Bleibt weg: fachfremde Nebentätigkeiten (höchstens eine Zeile), Hobbys, Foto (außer wo üblich), lange Listen von Office-Software.
  • Nach Relevanz ordnen: für eine lehrorientierte Stelle die Lehre vor den Publikationen; für ein Forschungsstipendium Publikationen und Drittmittel zuerst.
Ein akademischer Lebenslauf wird nicht gelesen. Er wird geprüft. Formatieren Sie jeden Eintrag so, dass die Prüfung Sekunden dauert.

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Häufige Fragen

Wie lang sollte ein akademischer Lebenslauf sein?

So lang, wie die Dokumentation es erfordert. Es gibt keine Seitenbegrenzung; Vollständigkeit und einheitliche Formatierung zählen mehr als Kürze.

Wie führe ich die Publikationsliste im Lebenslauf?

Nach Typ gruppiert, nummeriert, in einem Zitierstil mit DOIs, eigener Name fett, begutachtete Arbeiten getrennt von Preprints und eingereichten Manuskripten.

Was gehört in den Lebenslauf für eine Promotionsbewerbung?

Ausbildung mit Noten und Thema der Abschlussarbeit, Forschungserfahrung und Ergebnisse (Poster, Hilfskraftstellen), relevante Methoden und Software, etwaige Publikationen oder Vorträge, Preise und Referenzen.

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